[109] – Warum manche Praxen mit weniger Mitarbeitern erfolgreicher sind

Warum manche Praxen mit weniger Mitarbeitern erfolgreicher sind

Lesezeit ca. 7 Min., 22.07.2026

Es gibt Arztpraxen, die arbeiten mit sechs Mitarbeitern und schaffen spielend das gleiche Pensum, für das andere Praxen acht oder neun Mitarbeiter benötigen.

Woran liegt das eigentlich?

Arbeiten die Menschen dort härter?
Sind sie intelligenter?
Oder haben sie einfach nur Glück?

Die Antwort lautet: Keines von alledem.

Sie führen ihre Praxis mit Kennzahlen.

Denn genau wie Peter Drucker einmal sagte:
„Sie können nur verbessern, was Sie auch messen können.“

Und genau darum geht es heute.
Denn die Effizienz eines Praxisteams ist überhaupt kein Bauchgefühl.

Sie lässt sich messen.
Monat für Monat.
Mit gerade einmal drei Kennzahlen.

Welche das sind und warum sie wahrscheinlich auch Ihre Praxis verändern werden, erfahren Sie in diesem Blogbeitrag.

Wenn Sie das interessiert, dann sollten Sie jetzt unbedingt weiterlesen.

Wodurch entsteht die Effizienz eines Praxisteams?

Wenn wir die Effizienz eines Teams beurteilen wollen, müssen wir zunächst verstehen, wodurch sie überhaupt entsteht.

Schauen wir uns die erste Kennzahl an.
Sie beantwortet eine verblüffend einfache Frage:
Wie viel Leistung entsteht eigentlich aus den Arbeitsstunden Ihres Teams?

Oder anders formuliert:
Werden aus der eingesetzten Arbeitszeit tatsächlich Patientenversorgung und Umsatz?

Denn eines dürfen wir nicht vergessen: Arbeitszeit allein ist noch keine Leistung.

Wenn acht Mitarbeiter acht Stunden arbeiten, wurden zwar 64 Arbeitsstunden geleistet. Die entscheidende Frage lautet aber:
Was ist in diesen 64 Stunden eigentlich entstanden?

Wie viele Patienten wurden behandelt?
Wie viele Fälle wurden bearbeitet?
Und welcher Umsatz wurde dabei erwirtschaftet?

Kennzahl 1: Fallstunden und Umsatz pro Assistenzstunde

Genau dafür nutzen wir in unserem Kennzahlenmanagement zwei Kennzahlen.
Zum einen die Fallstunden.
Sie zeigen, wie viele Behandlungsfälle pro geleisteter Assistenzstunde bearbeitet werden.

Und zum anderen den Umsatz pro Assistenzstunde.
Diese Kennzahl zeigt, wie viel Umsatz jede geleistete Arbeitsstunde des Praxisteams tatsächlich erwirtschaftet.

Beide Kennzahlen haben einen entscheidenden Vorteil:
Sie machen sichtbar, ob aus Arbeitszeit tatsächlich Produktivität entsteht.

Wir erleben in der Praxisbegleitung immer wieder die Situation, dass Praxen mit nahezu identischer Mitarbeiterzahl, vergleichbarer Patientenstruktur und ähnlichen Öffnungszeiten trotzdem beim Umsatz pro Assistenzstunde deutliche Differenzen aufweisen.

Die spannende Frage lautet natürlich: Woran liegt das?

Warum vergleichbare Arztpraxen unterschiedlich produktiv sind

Arbeiten die Mitarbeiter in der einen Praxis einfach engagierter?
Manchmal ja, denn natürlich gibt es Unterschiede.

Es gibt Teams, die hervorragend zusammenarbeiten.
Und es gibt leider auch Mitarbeiter, die dauerhaft deutlich hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben.

Wer über Jahre hinweg die falschen Mitarbeiter einstellt oder sich von ungeeigneten Mitarbeitern nicht trennt, darf sich über eine geringe Produktivität nicht wundern.

Aber genau hier beginnt die unternehmerische Verantwortung:
Denn weder schlechte Prozesse noch die falsche Personalauswahl entstehen zufällig.
Beides ist letztlich eine Führungsaufgabe.

Nach unserer Erfahrung liegen die Ursachen deshalb fast immer in einem von zwei Bereichen:

Entweder die Praxis ist organisatorisch nicht optimal aufgestellt.

Oder sie ist personell nicht optimal besetzt.

Manchmal trifft sogar beides gleichzeitig zu.

Was der Umsatz pro Assistenzstunde über Ihre Praxis verrät

Deshalb ist der Umsatz pro Assistenzstunde für mich eine so wertvolle Kennzahl.

Sie zeigt Ihnen unmissverständlich, wenn es hier ein Problem gibt.

Und genau dann beginnt die eigentliche Arbeit.

Sie analysieren Ihre Prozesse.
Sie überprüfen die Aufgabenverteilung.
Sie hinterfragen Ihre Terminorganisation.
Und Sie schauen sich auch ganz ehrlich Ihr Team an.

Haben Sie die richtigen Mitarbeiter an den richtigen Positionen?

Gibt es vielleicht jemanden, der dauerhaft nicht die Leistung bringt, die diese Aufgabe erfordert?

Oder haben Sie Mitarbeiter, die deutlich mehr leisten könnten, wenn die Abläufe besser organisiert wären?

Genau diese Fragen beantwortet Ihnen keine Kennzahl.
Aber die Kennzahl zeigt Ihnen, dass Sie sie stellen müssen.

Denn eines dürfen wir niemals vergessen:
Kennzahlen lösen keine Probleme.
Sie machen Probleme sichtbar.
Und genau das ist ihre größte Stärke.

Kennzahl 2: Die Fehlzeitenquote als Frühwarnsystem

Kommen wir zur zweiten Kennzahl.

Und die hat auf den ersten Blick überhaupt nichts mit Produktivität zu tun.

Es geht um die Fehlzeitenquote.

Jetzt könnte man sagen:
„Na ja, wenn jemand krank ist, dann ist er eben krank.“
Und natürlich stimmt das.
Jeder von uns wird einmal krank.

Darum geht es überhaupt nicht.

Entscheidend ist etwas anderes:
Wie hoch ist die Fehlzeitenquote über einen längeren Zeitraum?

Denn genau diese Kennzahl sagt oft sehr viel mehr über eine Praxis aus, als man zunächst vermuten würde.

Wir erleben in der Praxisbegleitung immer wieder, dass zwei Praxen mit vergleichbarer Größe und ähnlicher Mitarbeiterzahl völlig unterschiedliche Fehlzeitenquoten haben.

Die eine Praxis liegt vielleicht bei vier Prozent.
Die andere bei acht oder sogar zehn Prozent.

Da stellt sich zwangsläufig die Frage: Liegt das wirklich nur an Viren?

Nach unserer Erfahrung lautet die Antwort häufig: Nein.

Was hohe Fehlzeiten über die Führung einer Arztpraxis aussagen

Denn Fehlzeiten entstehen nicht ausschließlich durch Krankheit.
Sie werden auch beeinflusst durch die Art, wie eine Praxis geführt wird.

Wie hoch ist die tägliche Belastung?
Wie gut funktionieren die Abläufe?
Wie ist die Stimmung im Team?
Wie werden Konflikte gelöst?
Und wie wertschätzend erleben die Mitarbeiter ihre tägliche Arbeit?

All das hat Einfluss darauf, wie stabil ein Team langfristig arbeitet.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch.
Ich möchte hier niemandem unterstellen, dass Mitarbeiter „blaumachen“.

Das wäre viel zu einfach gedacht.

Aber genauso falsch wäre es, dauerhaft hohe Fehlzeiten ausschließlich mit Pech oder einer besonders schweren Grippewelle zu erklären.

Denn wenn eine Praxis Jahr für Jahr deutlich über dem Durchschnitt liegt, dann lohnt sich ein genauer Blick.

Nicht auf die Krankmeldungen.
Sondern auf das Unternehmen dahinter.

Und genau darüber habe ich übrigens bereits ausführlich in einem weiteren Blogbeitrag gesprochen.
Dort ging es um die eigentlichen Ursachen hoher Fehlzeiten und darum, was Praxisinhaber konkret dagegen tun können.

Deshalb möchte ich das heute nicht noch einmal wiederholen.

Mir geht es heute um etwas anderes:
Die Fehlzeitenquote ist nicht nur eine Personalkennzahl.
Sie ist eine Führungskennzahl, denn sie zeigt Ihnen, wie gut es Ihnen gelingt, Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen Menschen dauerhaft leistungsfähig bleiben.

Und genau deshalb gehört sie für mich zu den wichtigsten Kennzahlen überhaupt.

Kennzahl 3: Die Fluktuationsquote und ihre wirtschaftlichen Folgen

Kommen wir zur dritten und letzten Kennzahl für heute.
Und die hat aus meiner Sicht eine enorme wirtschaftliche Bedeutung.
Es geht um die Fluktuationsquote.

Oder einfacher formuliert:
Wie gut gelingt es Ihnen eigentlich, gute Mitarbeiter langfristig an Ihre Praxis zu binden?

Jede Kündigung kostet Geld. Manchmal sogar sehr viel Geld.

Nicht nur durch die Stellenanzeige oder den Recruitingprozess.
Sondern vor allem durch den Verlust von Erfahrung.
Durch den zusätzlichen Aufwand für die Einarbeitung.
Durch sinkende Produktivität.
Durch Unsicherheit im Team.

Und nicht zuletzt auch durch Auswirkungen auf Ihre Patienten.
Denn eingespielte Teams arbeiten anders als ständig wechselnde Teams.

Warum die innere Kündigung besonders gefährlich ist

Es gibt allerdings noch etwas, das ich für mindestens genauso gefährlich halte:
Die teuerste Kündigung ist häufig gar nicht die, die ausgesprochen wird, sondern die, die innerlich längst stattgefunden hat.

Die Mitarbeiterin ist zwar jeden Morgen pünktlich da.
Sie erledigt ihre Aufgaben.
Aber sie bringt sich nicht mehr ein.
Sie übernimmt keine Verantwortung mehr.
Sie macht Dienst nach Vorschrift.
Und genau das bleibt oft über Monate unbemerkt.

Deshalb lohnt sich auch bei dieser Kennzahl ein genauer Blick.
Nicht erst dann, wenn jemand kündigt, sondern schon lange vorher.
Denn häufig sendet ein Team sehr früh Signale, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Wie Fehlzeiten, Fluktuation und Produktivität zusammenhängen

Und jetzt fällt vielleicht etwas auf.
Diese drei Kennzahlen stehen nicht nur für sich allein, sondern sie beeinflussen sich gegenseitig.

Steigen die Fehlzeiten dauerhaft an, verteilt sich die Arbeit auf weniger Schultern.
Die Belastung im Team nimmt zu.
Die Produktivität sinkt.
Die Unzufriedenheit wächst.
Irgendwann kündigen die ersten Mitarbeiter.

Neue Mitarbeiter müssen gesucht und eingearbeitet werden.
Die Produktivität sinkt erneut.
Die Kosten steigen.
Und am Ende leidet die Wirtschaftlichkeit der gesamten Praxis.

Genau deshalb betrachten wir diese Kennzahlen niemals isoliert.
Wir messen sie immer gemeinsam.
Denn erst ihr Zusammenspiel zeigt, wie gesund ein Unternehmen wirklich ist.

Was die drei Kennzahlen über Ihre Praxisführung zeigen

Wissen Sie, was mich an diesen drei Kennzahlen so fasziniert?

Sie zeigen Ihnen nicht, ob Ihre Mitarbeiter fleißig sind.
Sie zeigen Ihnen, wie gut Ihre Praxis geführt wird.

Denn hinter jeder dieser Kennzahlen stehen unternehmerische Entscheidungen:
Wie gut sind Ihre Prozesse?
Wie klar sind Verantwortlichkeiten geregelt?
Wie konsequent führen Sie Ihr Team?
Wie sorgfältig wählen Sie neue Mitarbeiter aus?
Und gelingt es Ihnen, gute Mitarbeiter langfristig an Ihre Praxis zu binden?

Natürlich wird es immer wieder Situationen geben, die Sie nicht beeinflussen können.
Menschen werden krank.
Private Lebensumstände verändern sich.
Und manchmal stellt sich trotz aller Sorgfalt erst im Alltag heraus, dass ein Mitarbeiter einfach nicht zur Praxis passt.
Auch das gehört zur Realität.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob Probleme auftreten.
Die entscheidende Frage ist, wie früh Sie sie erkennen.

Und genau dabei helfen Ihnen Kennzahlen.
Nicht, weil sie Probleme lösen.
Sondern weil sie Probleme sichtbar machen.

 

Praxismanagement auf Grundlage von Fakten statt Bauchgefühl

Deshalb messen wir in unserem Kennzahlenmanagement nicht einfach Arbeitsstunden.
Wir messen, welchen Beitrag diese Arbeitsstunden zum Erfolg der Praxis leisten.

Und genau das ist der Unterschied zwischen einer Praxis, die nach Gefühl geführt wird, und einer Praxis, die auf Grundlage von Fakten entscheidet.

Denn am Ende gilt:
Nicht die Anzahl der Mitarbeiter entscheidet über den Erfolg einer Arztpraxis.
Entscheidend ist, ob es Ihnen gelingt, aus guten Mitarbeitern ein starkes Team zu formen und dieses Team mit klaren Strukturen, guten Prozessen und konsequenter Führung erfolgreich zu machen.

Drei zentrale Erkenntnisse für ein effizientes Praxisteam

Vielleicht fragen Sie sich jetzt:
„Was bedeutet das alles ganz konkret für meine Praxis?“

Ich glaube, es sind im Wesentlichen drei Erkenntnisse:

Erstens:
Die Effizienz Ihres Praxisteams ist kein Bauchgefühl. Sie lässt sich messen.
Und zwar mit Kennzahlen, die Ihnen jeden Monat zeigen, ob sich Ihre Praxis in die richtige Richtung entwickelt.

Zweitens:
Keine dieser Kennzahlen bewertet Ihre Mitarbeiter.
Sie bewerten Ihre Praxis.
Sie zeigen Ihnen, wie gut Ihre Prozesse funktionieren, wie stabil Ihr Team arbeitet und wie erfolgreich Ihre Führung tatsächlich ist.

Und drittens:
Kennzahlen lösen keine Probleme. Aber sie machen Probleme sichtbar.
Und genau das ist die Voraussetzung dafür, überhaupt die richtigen Entscheidungen treffen zu können.

Denn eines ist sicher:
Wer seine Praxis ausschließlich nach Gefühl führt, wird viele Entwicklungen erst bemerken, wenn sie längst zum Problem geworden sind.

Wer dagegen regelmäßig auf die entscheidenden Kennzahlen schaut, erkennt Veränderungen frühzeitig – und kann rechtzeitig gegensteuern.

Und genau das macht den Unterschied zwischen einer Praxis, die ständig auf Probleme reagiert, und einer Praxis, die ihre Zukunft aktiv gestaltet.

Denn am Ende gilt:
Erfolgreiche Praxen arbeiten nicht härter.
Sie werden besser geführt.

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