[79] – Was Systemgastronomen Dir über Effizienz verraten
Was Systemgastronomen Dir über Effizienz verraten
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Ein Hausarzt einer Mehrbehandlerpraxis berichtete vor Kurzem, dass er zunehmend unzufrieden mit der Effizienz seines Teams sei. Um der Sache auf den Grund zu gehen, nutzte er seinen freien Tag, um gemeinsam mit seiner Frau das Praxisteam zu beobachten. Das Ergebnis: große Verunsicherung beim Personal, aber keine klaren Erkenntnisse, was konkret verbessert werden müsste.
In einem anschließenden Gespräch zeigte sich schnell: Das Problem lag nicht am Team, sondern an den Rahmenbedingungen.
Mangelhafte Arbeitsbedingungen: Wie soll da Effizienz entstehen?
In der betroffenen Praxis zeigte sich ein bekanntes Bild:
- Räumlichkeiten, die viel zu eng sind,
- eine Aufteilung, die zu unnötigen Laufwegen führt,
- sowie eine Praxissoftware, die eher bremst als unterstützt.
Es ist ein Trugschluss, zu erwarten, dass unter solchen Bedingungen effizient gearbeitet werden kann.
Was die Systemgastronomie besser macht und warum das auch für Arztpraxen relevant ist
Ein Blick über den Tellerrand hilft: Die Systemgastronomie – egal ob Starbucks oder McDonalds – zeigt, wie Effizienz selbst unter schwierigen Bedingungen gelingen kann. Obwohl auch dort kein Überfluss an Personal herrscht, die Löhne gedeckelt sind und die Kundschaft nicht immer mit Engelsgeduld glänzt, funktioniert der Betrieb weltweit mit standardisierter Qualität und einem hohen wirtschaftlichen Ertrag
Wie gelingt ihnen dieses Kunststück und was kannst Du davon für Deine Praxis lernen?
Im Folgenden zeige ich Dir die fünf Hebel, die Systemgastronomen täglich nutzen. Kein Hebel wirkt dabei allein Wunder, aber gemeinsam entfalten sie ihre volle Power.
1. Standort, Fläche und Grundriss: Die „Location“ entscheidet mit
In der Systemgastronomie wird kein neuer Standort eröffnet, ohne die Immobilie und deren Grundriss exakt auf optimale Arbeitsabläufe hin geprüft zu haben. Fehlen passende Strukturen, wird der Standort auch trotz großen Potenzials wieder verworfen.
Und in der Medizin? Da arbeiten wir oft weiter in Räumen, die weder modern noch effizient sind. Der Umzug in neue, gut geplante Praxisräume kann ein entscheidender Wachstumsfaktor sein. Das habe ich in über 20 Jahren Beratungstätigkeit immer wieder erlebt.
2. Technik: Die richtige IT spart Zeit und Geld
In vielen Praxen sehe ich, wie immer noch mit überholten Softwarelösungen gearbeitet wird. Die Folge: lange Wartezeiten, ineffiziente Prozesse, Frust bei Mitarbeitenden und Patienten.
In der Systemgastronomie hingegen gilt: Nur die beste verfügbare Technik kommt zum Einsatz. Sie muss die Prozesse unterstützen und nicht ausbremsen.
Die Investition in moderne Tools wie Check-in-Terminals, Online-Anamnese oder moderne Praxissoftware ist kein Luxus, sondern ein Muss, um die Rentabilität zu sichern. Denn jede Minute, die Deine MFA vorm Rechner warten muss, bezahlst Du doppelt: als Gehalt und als entgangene Leistung.
Ist im Moment in Deiner Praxis das Geld für moderne Technik angeblich nicht da, empfehle ich dir unbedingt den Blogartikel „[25] 3 Wahrheiten, wieso Du als Praxisinhaber nur 50 % von dem verdienst, was möglich ist“ anzuschauen.
3. Arbeitsplatz- und Prozessbeschreibungen: Klarheit bringt Qualität
Eine Arbeitsplatzbeschreibung beinhaltet die detaillierten Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Anforderungen eines bestimmten Arbeitsplatzes, während Prozessbeschreibungen wiederum die einzelnen Schritte und Abläufe eines spezifischen Prozesses, einschließlich der beteiligten Personen, Verantwortlichkeiten und verwendeten Ressourcen dokumentieren. Zwei wichtige Hebel, die in jeder Systemgastronomie ihren Einsatz finden, in vielen Arztpraxen jedoch hapert es hier. Also frag Dich selbst:
- Gibt es für jeden Arbeitsplatz und Prozess eine eindeutige Beschreibung?
- Kennen Ihre Mitarbeitenden die Abläufe?
- Werden Änderungen dokumentiert und kommuniziert?
Fehlen diese Grundlagen, entstehen Reibungsverluste – insbesondere bei wechselndem Personal. Ein solides Prozessmanagement ist deshalb unverzichtbar für reibungslose Abläufe in Deiner Praxis.
4. Strukturierte Einarbeitung: Lernen braucht System
Ein kurzer Blick zu Starbucks: Dort dauert das Einarbeitungsprogramm für neue Baristas mindestens drei Wochen, inklusive Training unter realem Stress. Ziel ist es, Routine aufzubauen und Fehler zu minimieren, selbst im größten Samstagsansturm.
Und in der Arztpraxis? Da läuft Einarbeitung oft nebenbei nach dem Motto „Da ist der Stuhl, hier die Karteikarten, viel Erfolg!“ und bringt ein entsprechendes Ergebnis.
Mein Rat: In kleinen Praxen sollte ein Mitarbeiter stundenweise zur Einarbeitung von neuem Personal freigestellt werden. In größeren Praxen empfiehlt sich die Einstellung einer HR-Managerin, die auch die Ausbildung neuer Mitarbeiter übernimmt.
5. Recruiting: Die richtigen Leute richtig finden
Kommen wir von der Einarbeitung zum letzten Punkt: dem Recruiting. Der Wettbewerb um gutes Personal ist längst Realität. Wer heute noch glaubt, dass sich passende Mitarbeiter „von selbst“ finden, wird schnell überholt. In der Systemgastronomie ist Recruiting oft eine komplett eigenständige Abteilung, die sich um nichts anderes kümmert als datengetrieben, strategisch geplant und mit klaren Auswahlprozessen die richtigen Mitarbeiter zu finden.
Aufgrund der immensen Bedeutung des Themas Recruiting ist das Thema dementsprechend umfangreich und würde den Rahmen dieses Blogbeitrages sprengen. Daher möchte ich Dir ergänzend die Blogbeiträge 3,4,5,6 und 7 aus der Reihe „Personal gewinnen und behalten“ nahelegen in denen die Thematik Mitarbeiterfindung und -bindung bereits ausführlich beleuchtet wurde.
Fazit: Effizienz ist kein Zufallsprodukt – sondern Ergebnis guter Planung
Wenn Du Deine Praxis nachhaltig erfolgreich führen willst, dann solltest Du Dir diese fünf Erfolgsfaktoren aus der Systemgastronomie zu Herzen nehmen. Auch auf den medizinischen Bereich sind Sie voll übertragbar unter der Voraussetzung, Du willst Veränderung nicht nur anstoßen, sondern wirklich umsetzen.
Wenn Du dabei Unterstützung brauchst, sei es Praxisumzug, Kennzahlenmanagement oder beim Thema Personal, dann zögere nicht und melde Dich. Du erreichst mich unter w.apel@medikom.org oder telefonisch über unser Büro. Gerne vereinbaren wir ein unverbindliches und kostenfreies Erstgespräch.
Ich freu mich drauf!
Dein Wolfgang Apel
PS: Wenn Du diesen Beitrag hilfreich fandst, teile ihn gerne mit Kollegen oder Praxispartnern. Gemeinsam können wir mehr Praxen zukunftsfähig machen.

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