[88] – Sind Apotheken und Drogerien die neuen Wettbewerber Deiner Arztpraxis?
Sind Apotheken und Drogerien die neuen Wettbewerber Ihrer Arztpraxis?
Lesezeit ca. 6,5 Min.
Vor ein paar Tagen erhielt ich eine WhatsApp eines besorgten Podcasthörers, der einen Artikel aus der „Zeit“ über die mögliche Ausweitung von Impfmöglichkeiten bei Apotheken und eine Werbung der Drogeriekette DM für „Ausgewählte Gesundheitsdienstleistungen“, zu gut Deutsch: Selbstzahlerleistungen, beigefügt war.
Sein Kommentar dazu: „Das wird unsere Konkurenz“.
Echt? Glaubst Du das auch?
Einen Tag später erhielt ich den Newsletter vom Hausärzteverband, der sich ebenfalls mit der Ausweitung des Angebots von Apotheken und einem diesbezüglichen offenen Brief von neun ärztlichen Berufsverbänden an die Bundesgesundheitsministerin Nina Warken beschäftigt. Der Grundtenor von alle dem ist wohl am besten mit „recht aufgebracht“ zu bezeichnen.
Ist diese Aufregung wirklich gerechtfertigt? Oder liegt das Problem vielleicht ganz woanders?
In diesem Blogbeitrag gehen wir den ganzen auf den Grund, also unbedingt weiterlesen!
Wettbewerb im Gesundheitswesen: Ein Tabuthema
Die Überschrift über all dem, was da gerade so aufgeregt diskutiert wird, lautet eigentlich „Wettbewerb“.
Nur Ärzte und Notare leben in Deutschland noch in einer Welt, wo es, entgegen geltendem EU-Recht, keinen Wettbewerb gibt. Denn wenn wir ehrlich sind, ist das Recht auf Niederlassungsfreiheit ein grundlegendes Recht der EU-Bürger, das bereits in den Römischen Verträgen von 1957 festgelegt wurde. Im Jahr 1960 hat das Bundesverfassungsgericht dann entschieden, dass die Zulassung als Kassenarzt nicht an willkürliche, objektive Zulassungsvoraussetzungen geknüpft werden dürfe. 2007 wurde dann in Deutschland zur Bekämpfung des Ärztemangels und zur Stärkung des Wettbewerbs wenigstens den Zahnärzten die freie Wahl des Standorts zugestanden.
Wieso jedoch Ärzten in Deutschland die Niederlassungsfreiheit nach wie vor durch die gesetzliche Bedarfsplanung und Zulassungsbeschränkungen für die Behandlung gesetzlich versicherter Patienten eingeschränkt wird, erschließt sich mir ehrlich gesagt nicht. Aber das ist ein anderes Thema.
Warum manche Praxen den Wettbewerb fürchten
Was macht Ärzten denn eigentlich solche Angst vor dem Wettbewerb und wer muss sich mit Recht sorgen darum machen?
Darf ich mal sehr direkt sein? Sorgen sollten sich all diejenigen machen, die Ihren Laden nicht im Griff haben und ihren Patienten auch keinen Grund geben, gerade zu ihnen zu kommen.
Was ich damit meine?
Wenn ich eine Praxis habe, die ihre Leistungen auf der Internetseite beschreibt mit: „Wir erbringen das komplette Leistungsspektrum einer Facharztpraxis für xy“ und diese Leistungen darunter dann der Reihe nach aufliste, dann gibt es für den Patienten wirklich keinen Grund dorthin zu gehen. Die schreiben ja eigentlich schon auf ihrer Website, dass der Patient genauso gut auch in jede andere Praxis der gleichen Fachrichtung gehen kann. Hast Du schon mal einen Autohändler gesehen, der dem Kunden auf der Internetseite mitteilt: „Bei uns gibt es alle Fahrzeuge der Marke xy, die Du auch bei jedem anderen Händler der Marke xy kaufen könntest.“?
Sowas hab‘ ich ehrlich gesagt noch nie gesehen.
An dieser Stelle ein kurzer Hinweis für Dich:
Wenn Du das Gefühl hast, in Deiner Praxis steckt noch mehr drin – aber Du wießt nicht genau, wo Du ansetzen sollst, dann ist unsere Praxispotenzialanalyse genau das Richtige.
Wir schauen uns gemeinsam die wichtigsten Bereiche an – von den Abläufen bis zur Wirtschaftlichkeit – und zeigen Dir ganz klar, wo Du ansetzen kannst.
Keine Theorie, sondern konkrete Ansätze, die sofort Wirkung zeigen.
Alle Infos findest Du auf unserer Website oder Du meldest dich direkt bei uns.
Organisation als Schlüssel zum Praxiserfolg
Aber wieder zurück zu Praxisinhabern, die sich mit Recht Sorgen um einen ersten, zart beginnenden Wettbewerb Gedanken machen müssen:
Wenn Du mit dem Patienten keine Recall-Vereinbarung hast, und in der EDV keine aktuelle E-Mail-Adresse vermerkt ist, um ihn an jede anstehende Impfung und/oder Vorsorgeuntersuchung automatisiert zu erinnern bzw. die Termine dafür immer gleich bei einem Praxisbesuch vereinbaren, dann, sorry, hast Du Deinen Laden nicht im Griff. Das sind Basics. Und es ist erschütternd zu sehen, in wie vielen Praxen diese Dinge schlicht nicht funktionieren.
Mal im Ernst: das Geld liegt auf der Straße und wenn Du es nicht aufhebst, machen das die Apotheker. Willst Du denen das wirklich vorwerfen? Oder der Gesundheitsministerin, weil sie neben den ja schon seit 5 Jahren erlaubten Grippe und Corona-Impfungen nun umsetzen will, was bereits seit über einem Jahr zwischen Bundesärztekammer und Bundesapothekerkammer diskutiert wird, nämlich alle Impfungen mit Totimpfstoffen und verschreibungspflichtige Medikamente für unkomplizierte Erkrankungen oder für chronisch Kranke bei dringendem Bedarf und bekannter Langzeitmedikation ohne ärztliche Verordnung abgeben dürfen?
Sorry, ich kenne keine einzige Praxis, die vernünftig organisiert ist und die in den letzten 5 Jahren irgendwelche Einbußen bei den bereits für Apotheken freigegebenen Impfungen erlitten hat.
Faktencheck: Impfquoten und reale Zahlen
Und um das Ganze ein wenig zu versachlichen, hier mal die nackten Zahlen:
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Europäische Kommission (EU) einigten sich für die Influenza-Impfung auf eine Zielimpfquote von 75 % – Deutschland erreichte in der Saison 2023/2024 gerade mal 38,2%.
Es wurden somit leider nur etwa 8 Mio Menschen gegen Grippe geimpft, wovon die Apotheken sage und schreibe 97.200 Impfungen vorgenommen haben.
Statt sich darüber aufzuregen, fände ich es interessanter darüber nachzudenken, was wir tun könnten, um die anderen 7,5 Mio zu impfen und somit die Zielquote zu erreichen.
Verborgene Potenziale in der eigenen Praxis
Für mich ist diese ganze Diskussion reines Mangeldenken – die Sorge, dass für den jeweiligen Arzt nicht mehr genug vom Kuchen übrigbleiben könnte.
Das Gegenteil ist doch der Fall: Die meisten Praxisinhaber nutzen doch noch nicht mal die existierenden Einnahmemöglichkeiten aus.
Beispiele gewünscht? Liebe Hausärzte, wieviel Prozent Eurer gesetzlich versicherten Patienten kommen regelmäßig zu Euch zum CheckUp 35? Und wieviel Prozent der privat Versicherten?
Und die entscheidende Frage: Was habt Ihr getan, um diese Quote zu verbessern?
Anderes Beispiel:
Wieviel Prozent Eurer Patienten, die im letzten Quartal in der Praxis waren, habt Ihr als Hausarztvermittlungsfall an eine Facharztpraxis überwiesen?
Bleiben wir beim Thema, wechseln wir die Seiten:
Liebe Fachärzte, wieviel Prozent Eurer Patienten sind mit einem Hausarztvermittlungsfall zu Euch gekommen? Und was habt Ihr unternommen, um diese Quote zu optimieren?
Nächster Punkt:
Wie viele Eurer gesetzlich versicherten Patienten kommen mehr als einmal im Quartal, obwohl das medizinisch überhaupt nicht notwendig ist? Und wie viele mehr als zweimal?
Soll ich weiter machen?Ich denke, das kann ich mir sparen.
Das sind alles Punkte, wo das Geld auf der Straße liegt, und davon gibt es noch zig weitere.
Diese Punkte in der eigenen Praxis auf die Reihe zu kriegen ist deutlich sinnvoller und vor allem auch viel einträglicher als diese Apotheken-Diskussion.
Selbstzahlerleistungen: Drogerien als vermeintliche Konkurrenz
Das für mich noch deutlich absurdere Thema, ist die Sorge bzgl. der Drogerie-Werbung für „Ausgewählte Gesundheitsdienstleistungen“, zu gut Deutsch für Selbstzahlerleistungen.
Wieso ich das noch absurder finde? Ganz einfach:
Mir kann doch nur jemand was wegnehmen, wenn was ich besitze. Und in Bezug auf die Selbstzahlerleistungen bedeutet das, dass Du diese doch überhaupt erstmal selbst in nennenswertem Umfang umsetzen musst, damit meine ich je nach Fachrichtung etwa 50‘ bis 100‘ € pro Kassensitz, bevor Dir jemand was davon wegnehmen kann.
Das Problem der meisten Praxen besteht doch aber darin, dass sie noch nicht mal diese Benchmarks erreichen. Was soll der Drogeriemarkt denen also wegnehmen?
Ganz im Gegenteil: Du solltst dich darüber freuen, dass die Drogerie den Menschen, die ja auch bei Dir Patienten sind, erklärt, dass es sinnvolle Gesundheitsleistungen gibt, die man jedoch aus eigener Tasche bezahlen muss. Somit wird der Boden bereitet, damit Du in Deinen Patientengespräch zukünftig erfolgreicher Selbstzahlerleistungen beim Patienten platzieren können.
Chancen nutzen statt Ängste pflegen
Und wenn Du noch weitere Tipps zum Thema Selbstzahlerleistungen haben möchtest, empfehle ich Dir die Folge #008 dieses Podcast mit dem Titel „Optimierung der medizinischen Versorgung durch IGeL-Leistungen“.
Solltest Du Fragen zu einzelnen Punkten in diesem Blogbeitrag haben oder dir Unterstützung bei der Umsetzung anderer Themen wünschen, schicke mir einfach eine E-Mail an w.apel@medikom.org. Wir können dann einen Termin für ein unverbindliches und selbstverständlich kostenloses Erstgespräch ausmachen und dabei besprechen, wie wir Dich am besten unterstützen können.
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