[89] – Was die Wirtschaftkrise für Deine Praxis bedeutet
Was die Wirtschaftskrise für Ihre Praxis bedeutet
Lesezeit ca. 6,5 Min.
Insolvenzwelle und Wirtschaftseinbruch: Die Lage in Deutschland
Die Insolvenzwelle in Deutschland verschärft sich.
Innerhalb weniger Wochen wurden diverse Unternehmen aus den Branchen Automobilzulieferung, Mode, Chemie und Immobilien in die Krise gerissen. Selbst vor dem ehemaligen Weltmarktführer für Schokoladenweihnachtsmännern, der Firma Riegelein, machte dies Entwicklung nicht halt.
Die offizielle Statistik untermauert die Lage:
Im ersten Halbjahr 2025 wurde ein Zehnjahreshoch von knapp 12.000 Insolvenzen in sechs Monaten erreicht.
Für das Gesamtjahr 2025 wird ein weiterer Anstieg auf Werte nahe der Höchststände aus der tiefsten Depression in der Finanzkrise der Jahre von 2009 und 2010 erwartet.
Eine politische Lösung ist nicht in Sicht und der Unionsfraktionsvorsitzende Jens Spahn kommentiert die verheerende Situation kurz und bündig mit dem Satz:
„Das Einzige, das wächst, sind Insolvenzen.“
Das ist nicht ganz korrekt, denn auch die Zahl der Arbeitslosen wächst:
Sie ist im August erstmals seit Februar 2015 wieder über die Marke von drei Millionen gesprungen.
Und eine Reihe von Unternehmen, wie z.B. VW, Bosch und Conti haben bereits die nächsten Entlassungen angekündigt. Alles in allem reden wir über einen weiteren Stellenabbau von etwa 150.000 Arbeitsplätzen in Deutschland.
Was das für Deine Praxis bedeutet und wie Du Dich darauf vorbereitest, darum geht’s in diesem Blogbeitrag. Wenn Dich das interessiert, dann solltest Du jetzt unbedingt weiterlesen.
Medizin in Krisenzeiten: Früher sicher, heute im Wandel
Eigentlich war die Medizin in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ja immer eine Art „Insel der Glückseligen“.
Selbst in der Hyperinflation der Nachkriegszeit des Ersten Weltkriegs mussten sich Ärzte keine Sorgen machen:
Die Patienten kamen mit frisch Geräuchertem aus eigener Schlachtung, einem Sack Kartoffeln frisch vom Feld, dem Brilliantring von der Oma oder einem zusammengerollten Orient-Teppich unterm Arm zum Arzt, um die Behandlung zu bezahlen.
Lang, lang ist’s her.
Was haben wir heute zu erwarten?
Keine Angst ums Überleben – aber um den Wohlstand
Das Wichtigste vorneweg:
Auch bei dem, was derzeit gerade auf uns zurollt, und das wird sicher heftig, musst Du Dir keine Angst ums Überleben machen.
Um Deinen Wohlstand allerdings schon! Was meine ich damit?
Privatmedizin und Selbstzahlerleistungen unter Druck
Jeder Praxisinhaber weiß, dass der Teil des Einkommens, der den eigenen Wohlstand begründet, in den seltensten Fällen aus der Kassenmedizin stammt. Hierfür sind in erster Linie die Einnahmen aus Selbstzahlerleistungen und der Privatmedizin verantwortlich.
Und genau hier sind gravierende Veränderungen zu erwarten:
Bürgerversicherung als politisches Risiko
Fangen wir mit der Privatmedizin an:
In einer Zeit, in der wir einerseits ein Defizit von rund 6,6 Mrd. € bei den gesetzlichen Krankenkassen haben und andererseits einen mehr als angespannten Staatshaushalt, ist zu erwarten, dass die Politik nach anderen Möglichkeiten sucht, das Kassenloch zu stopfen, als die Erhöhung des Bundeszuschusses.
Egal, ob Du das jetzt hören willst oder nicht – die auf der Hand liegende Lösung heißt: Bürgerversicherung!
Das für den Staat Schönste an dieser Lösung:
Mit den ehemals Privat-Krankenvollversicherten kommen deren Alterungsrückstellungen in die Rücklagen der gesetzlichen Krankenkassen. Stand 2024 reden wir da über eine Summe von insgesamt 339 Milliarden Euro.
Damit dürfte das Problem der defizitären gesetzlichen Krankenversicherung dann ja erstmal für einige Jahre gelöst sein, und der Bund könnte sich sogar problemlos den jährlichen Bundeszuschuss von derzeit 14,5 Mrd. € sparen. Wenn das nicht verlockend ist …
Sinkende Nachfrage nach Selbstzahlerleistungen
Tja, und was die Selbstzahlerleistungen betrifft, so muss man klar sagen, dass das Geld bei den Menschen in Krisenzeiten erfahrungsgemäß nicht mehr so locker sitzt. Es ist also ganz klar, dass Du ohne sauber durchstrukturierte Patientenkommunikation hier erhebliche Defizite erleiden wirst.
Die Anfänge davon kann man bereits im laufenden Jahr in der Zahnmedizin erkennen:
Überall, wo überzeugende Konzepte fehlen, brechen die Realisierungsquoten der Heil- und Kostenpläne ein.
Zu gut Deutsch: Es wird weniger Zahnersatz verkauft.
Zweites Beispiel:
Der Ästhetik-Markt, der ja seit geraumer Zeit eine deutliche Nachfragesteigerung erlebt, erfährt angesichts der steigenden wirtschaftlichen Unsicherheit der Patienten eine wachsende Preissensibilität. Diese, gepaart mit dem Aufkommen von Billiganbietern, führt zu einem Rückgang der Behandlungen bei niedergelassenen Fachärzten.
Steigende Personalkosten und Fachkräftemangel in Praxen
Und als wenn das alles nicht schon genug wäre, kommt noch ein 3. Punkt dazu:
Überproportional steigende Lohnkosten im Bereich der medizinischen Hilfskräfte!
Den Hintergrund hatten wir schon mehrfach in vorherigen Blogbeiträgen erwähnt:
Die geburtenstärksten Jahrgänge, die wir je in Deutschland hatten, gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand. Mit ihnen leider auch weit mehr MFAs und ZFAs, Erstkräfte und Praxismanagerinnen, als durch die Berufseinsteiger hinzukommen.
Die Situation wird dadurch noch verschärft, dass immer mehr Berufseinsteiger ihre Ausbildung abbrechen, was mich ehrlich gesagt bei der unterirdischen Ausbildungsqualität, die ich in vielen Praxen erlebe, auch wirklich nicht wundert, bzw. nach ihrer Ausbildung aus dem Beruf herausgehen, was mich angesichts der Bezahlung, die den jungen Damen angeboten wird, genauso wenig erstaunt.
Fazit: Wohlstand sichern statt hoffen
Langer Rede, kurzer Sinn:
Die bei Ärzten ach so beliebte Verdrängungsformel „Na ja, das wird schon irgendwie weiter gehen …“ wird Deine Existenz auch in den kommenden Jahren nicht gefährden – wohl aber Deinen Wohlstand!
Was ist zu tun, um Deinen Wohlstand zu sichern?
Praxispotentialanalyse: Deine Chance zur Stabilität
Ein einfaches „weiter so“ wird diesmal bedauerlicherweise nicht funktionieren.
In unsicheren Zeiten gilt es, als erstes exakt festzustellen, wo Du mit Deiner Praxis derzeit eigentlich genau stehst und wo Du noch Potenziale hast, die Du heben kannst.
Um Instabilität in den Praxisfinanzen zu vermeiden, benötigst Du wirklich jede nur denkbare zusätzliche Einnahmequelle, denn nun gilt es, Deine Rücklagen zu erhöhen, um Dich durch die vor uns liegenden herausfordernden Zeiten zu tragen.
Jetzt ist der Moment, wirklich alle Ressourcen zu nutzen, um Dein „Unternehmen Arztpraxis“, wie wir Hamburger sagen, „sturmfest“ zu machen.
Hierzu empfehle ich Dir unbedingt, eine Praxispotentialanalyse durchführen zu lassen.
Wir können danach auf Basis dieses faktenbasierten Gesamtbildes eine Roadmap erarbeiten, die Dir genau aufzeigt, was zu tun ist, um Deine Praxis erfolgreich durch die vor uns liegenden Krisenjahre zu steuern.
Wie genau eine Praxispotenzialanalyse mit uns abläuft, erfährst du im Blogbeitrag [81]-Potenzialanalyse, Kennzahlen, Mentoring – Wann bringt was den Erfolg in der Arztpraxis oder du schreibst uns einfach eine Nachricht und wir helfen dir mit all deine Fragen weiter.
Kommunikationsstrategie: Patienten richtig erreichen
Außerdem gilt es, konkrete Konzepte zu erarbeiten, wie Du trotz schwierigerer Rahmenbedingungen den Selbstzahlerumsatz Deiner Praxis hochfahren kannst.
Das Problem, dass wir bei den meisten Praxen hier erkennen, ist in erster Linie ein Kommunikationsproblem:
Behandler erklären zwar die jeweils angebotene Leistung medizinisch völlig korrekt, allerdings ist es so, dass niemand kauft, was es ist, sondern nur den Vorteil, den er dadurch hat.
Um es an einem typischen Beispiel deutlich zu machen, nachfolgend eine eher ungeschickte Arzt-Patienten-Kommunikation:
„Ihre Schmerzen im Knie sind Arthrose bedingt. Ich kann Ihnen da eine Hyalurontherapie anbieten, die Sie allerdings selbst bezahlen müssen. Hyaluron ist eine gelartige Substanz, die der Körper natürlich produziert und die im Bindegewebe, in den Gelenken und in der Haut vorkommt. Wenn Sie das wollen, bekommen Sie im Abstand von je 1 Woche insgesamt 3 Spritzen und das kostet Sie dann 250 €.“
In den meisten Fällen wird der Patient jetzt antworten, dass er sich das erst nochmal überlegen muss und sich bei Bedarf wieder meldet.
Alternativ könnte das Gespräch aber auch so laufen:
„Ihre Beschwerden im Knie kommen durch eine beginnende Arthrose – also einen Verschleiß des Gelenkknorpels. Glücklicherweise gibt es eine Möglichkeit, den Knorpel zu entlasten und die Beweglichkeit zu verbessern: eine sogenannte Hyalurontherapie. Das Prinzip ist einfach: Hyaluron wirkt im Gelenk wie ein Schmierstoff – es verbessert die Gleitfähigkeit, dämpft die Reibung und kann so die Schmerzen deutlich reduzieren. Viele meiner Patienten berichten, dass sie danach wieder deutlich besser gehen und Treppensteigen können. Die Behandlung besteht aus drei Injektionen im Abstand von jeweils einer Woche. Dabei handelt es sich um eine Zusatztherapie, die nicht von der Kasse übernommen wird, die aber vielen meiner Patienten hilft, wieder schmerzfreier und beweglicher zu werden. Das Honorar für die komplette Serie liegt bei 250 €. Wenn Sie möchten, können wir gleich einen Termin für die erste Behandlung vereinbaren.“
Ich denke, Du hörst den Unterschied.
Erfolgreiche Gesprächsführung lernen
Die entscheidenden Punkte, weshalb das besser funktioniert, sind:
- Diagnose in Kontext setzen: Der Patient versteht, warum das Problem besteht. Und genau dieses Verständnis führt zu dem notwendigen Vertrauen für die angebotene Leistung.
- Positive Suggestion: „Viele meiner Patienten berichten…“ – nutzt soziale Bewährtheit, ohne Druck.
- Selbstbestimmung lassen: „Wenn Sie möchten…“ – reduziert eine mögliche Abwehrhaltung.
- Konkrete Handlungsoption: Konkret eine Terminvereinbarung anzubieten, erhöht die Abschlusschance.
Ist doch eigentlich alles ganz einfach, oder?
Dolltest Du Fragen zu einzelnen Punkten in diesem Blogbeitrag haben oder Dir Unterstützung bei der Umsetzung anderer Themen wünschen, schicke mir einfach eine E-Mail an w.apel@medikom.org. Wir können dann einen Termin für ein unverbindliches und selbstverständlich kostenloses Erstgespräch ausmachen und dabei besprechen, wie wir Dich am besten unterstützen können.
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