[94] – Effizienz-Turbo: 6 Stellschrauben zur Verdopplung deines Praxisgewinns
Effizienz-Turbo: 6 Stellschrauben zur Verdopplung Ihres Praxisgewinns
Lesezeit ca. 6 Min.
Der Jahreswechsel ist für viele Praxisinhaber der Moment, sich über ihre Praxisziele für das kommende Jahr Gedanken zu machen.
Befragt man sie nach den Zielen für das neue Jahr, kommen die unterschiedlichsten Antworten. Sehr oft ist das jedoch eher ein „Wünsch-Dir-was“-Potpourri als ein realistisches Jahresziel.
Denn was den meisten dieser als Ziele bezeichneten Wünsche fehlt, ist die Antwort auf die entscheidende Frage: Wie soll das konkret erreicht werden?
Gegen große Ziele spricht absolut nichts – ganz im Gegenteil.
Entscheidend ist jedoch, dass klar ist, wie das Ziel erreicht werden soll.
Auch den Praxisgewinn zu verdoppeln, klingt auf den ersten Blick nach einem unrealistisch großen Ziel.
Auf den zweiten Blick erweist es sich jedoch als erstaunlich bodenständig.
Denn bei den sechs dafür entscheidenden Stellschrauben geht es im Kern ausschließlich um mehr Effizienz und bessere Strukturen.
Warum viele Praxen trotz hoher Auslastung kaum Gewinn machen
In der Beratung zeigt sich leider immer wieder das gegenteilige Bild:
Die Praxen sind voll. Die Tage sind lang. Das Team läuft auf Anschlag. Und trotzdem ist am Ende des Jahres die Enttäuschung groß.
Der Umsatz scheint ordentlich, der Gewinn wächst jedoch kaum.
Das hat fast nie etwas mit fehlender Leistungsbereitschaft zu tun. Und auch nur selten mit fehlender Nachfrage.
Der Hauptgrund ist fast immer derselbe: ineffiziente Organisation.
Viele Praxen sind über Jahre organisch gewachsen. Neue Leistungen kamen hinzu, neue Anforderungen, neue Gesetze,
doch die Strukturen wurden nie wirklich angepasst.
Effizienz bedeutet nicht, schneller zu rennen. Effizienz bedeutet, den Kurs zu korrigieren.
Und genau dazu finden Sie im Folgenden sechs ganz konkrete Stellschrauben.
Stellschraube 1: Optimale Termin- und Ressourcenplanung
Effizienz beginnt nicht im Behandlungszimmer.
Effizienz beginnt im Kalender.
Denn dort entscheidet sich, wie der Tag läuft – oder eben nicht.
Der Kalender ist das Herzstück der Praxissteuerung.
Und trotzdem wird er in vielen Praxen nicht aktiv gestaltet, sondern passiv ertragen.
Typische Probleme:
- gleiche Termindauer für völlig unterschiedliche Leistungen
- Arztzeit für Tätigkeiten, die auch das Team leisten könnte
- Spontane Einschübe, die dann den ganzen Tag kippen.
Eine entscheidende Frage lautet:
Was muss wirklich der Arzt machen – und was nicht?
Denn jede Minute Arztzeit, die falsch eingesetzt wird, kostet Geld.
Jedes Mal nur ein bisschen, aber zigmal am Tag – jeden Tag.
Das läppert sich!
Die Anleitung dafür, wie Du eine optimale Termin- und Ressourcenplanung erstellst, findest Du im Podcast # 91. Falls Du diese Folge noch nicht kennst, solltest Du sie unbedingt noch mal nachhören.
Falls Du sie kennst, aber noch nicht umgesetzt hast: Bitte unbedingt angehen. Das verändert wirklich ganz gravierend was.
Und wenn Du sagst, mir fehlt die Zeit dazu, dann melde Dich einfach bei uns und wir unterstützen Dich.
Stellschraube 2: Terminslots sinnvoll verkürzen
Gerade in hausärztlichen, gynäkologischen und orthopädischen Praxen sehen wir häufig Terminslots, die schlicht zu lang sind.
Nicht, weil die Medizin es erfordert – Sondern, weil sie „schon immer so waren“.
Dabei hat sich in den letzten Jahren enorm viel verändert:
- bessere Vorinformationen
- digitale Vorbereitung
- moderne Diagnostik
- mehr Standardisierung
Es geht nicht darum, Patienten durchzuschleusen.
Es geht darum, den Ablauf so zu strukturieren, dass die ärztliche Zeit wirklich für ärztliche Tätigkeit genutzt wird.
Schon eine Reduktion von wenigen Minuten pro Termin hat über den Tag, die Woche, das Quartal einen enormen Effekt.
Ein hausärztlicher Kollege, der vor rund 3 Monaten seine Standard-Terminslots von 15 auf 10 Minuten reduziert hatte, sagt mir vor ein paar Tagen, das sei der entscheidende Gamechanger für seine Praxis gewesen.
Das immer gern hervorgeholte Argument, die medizinische Qualität würde darunter leiden, könne er nicht bestätigen.
Ganz im Gegenteil: Der kürze Rhythmus brächte einen besseren Flow in die Arbeit.
Stellschraube 3: Digitale Infrastruktur richtig nutzen
Digitalisierung ist kein Selbstzweck.
Digitalisierung ist vor allem eines: ein Verstärker.
Ein schlechter Prozess wird durch Digitalisierung nicht besser – er wird nur schneller schlecht.
In vielen Praxen sehe ich genau das:
Es werden Einzelschritte digitalisiert. Hier ein neues Tool, dort eine neue Software, irgendwo noch ein zusätzliches Modul.
Was am Ende bleibt, sind oft nicht weniger Arbeitsschritte, sondern mehr Klicks, mehr Schnittstellen und vor allem: mehr Frust im Team.
Digitale Infrastruktur muss Prozesse vereinfachen, nicht verkomplizieren.
Und sie muss zur Praxis und zum Team passen – nicht nur gut aussehen im Anbieterprospekt.
Effizienz entsteht erst dann, wenn Prozess, Software und Teamrolle wirklich zusammenpassen.
Digitalisierung muss entlasten – sie darf nicht nur beeindrucken.
Und ich weiß aus vielen Gesprächen:
Als Praxisinhaber stehst Du bei diesem Thema oft ziemlich allein auf weiter Flur.
Es fehlt die Marktübersicht, das technische Detailwissen und vor allem die Erfahrung, um einzelne Systeme realistisch beurteilen zu können.
Diese Hilflosigkeit muss aber kein Dauerzustand bleiben, denn genau dafür bieten wir zwei Dinge an:
Zum einen prüfen wir gemeinsam mit Dir Deine bestehende digitale Infrastruktur und zeigen Dir ganz konkret, wo sich Abläufe vereinfachen und Zeit sparen lässt.
Und zum anderen kannst Du vor Neuanschaffungen unseren Digitalisierung-Spezialisten beratend mit ins Boot holen – damit Du am Ende wirklich weißt, was am besten zu Deiner Praxis und Deiner derzeitigen Situation passt.
Stellschraube 4: Zusatz- und Selbstzahlerleistungen strukturiert integrieren
Zusatz- und Selbstzahlerleistungen sind in vielen Praxen ein sensibles Thema.
Nicht, weil Patienten sie ablehnen würden sondern weil sie oft falsch angeboten werden.
Selbstzahlerleistungen funktionieren nicht, wenn man sie zwischen Tür und Angel erwähnt.
Und sie funktionieren auch nicht, wenn der Arzt sie „nebenbei“ erklären soll, während draußen das Wartezimmer voll ist.
Selbstzahlerleistungen funktionieren dann, wenn sie als fester Bestandteil des Praxisangebots verstanden werden.
Unsere Erfahrung aus der Beratung zeigt sehr klar:
Etwa ein Drittel der Patienten nimmt Zusatzleistungen in Anspruch, wenn sie verständlich erklärt, sinnvoll eingeordnet und in einen sauberen Ablauf eingebettet sind.
Und diese Patienten sind dann auch bereit, durchschnittlich rund 163 Euro dafür zu bezahlen.
Das hat nichts mit Verkaufen zu tun. Das ist Ermöglichen.
Patienten wollen Vorsorge, Zeit und individuelle medizinische Angebote.
Sie wollen verstehen, welchen Mehrwert eine Leistung für sie persönlich hat.
Aber dafür brauchen sie Struktur – und vor allem Ruhe im Ablauf.
Genau deshalb sind Selbstzahlerleistungen ein Praxisprozess-Thema.
Wenn das Team vorbereitet, informiert und organisiert
und sich der Arzt auf die medizinische Leistung konzentrieren kann,
dann entsteht Effizienz – für beide Seiten.
Wenn Du Dir zu diesem Thema Unterstützung wünscht, empfehle ich Dir unseren Wochenendworkshop „Selbstzahlerleistungen einfach verkaufen“ bzw. den entsprechenden Onlinekurs, der ab April 2026 verfügbar sein sollte.
Stellschraube 5: Hausarzt-zentrierte Versorgung als wirtschaftlicher Hebel
Die hausarztzentrierte Versorgung, kurz HZV, wird häufig emotional diskutiert.
Dabei ist sie, neben einer Verbesserung der medizinischen Versorgung Deiner Patienten, in erster Linie eines:
ein betriebswirtschaftlicher Faktor, den man nicht ignorieren sollte.
In vielen Hausarztpraxen wären 70 oder mehr Prozent der Patienten grundsätzlich für eine HZV-Einschreibung geeignet.
In der Realität liegt das Gros der Praxen aber deutlich darunter.
Das ist schade, denn die HZV sorgt nicht nur für mehr Struktur in der Patientensteuerung, sondern auch für einen spürbar höheren Fallwert.
Je nach Region und Patientenstruktur bedeutet das im Schnitt rund 30 Euro mehr pro Patient und Quartal.
Das klingt erst einmal überschaubar.
Wird aber schnell relevant, wenn man es auf die Gesamtpatientenzahl und auf das gesamte Jahr hochrechnet.
HZV ist dabei kein zusätzlicher Arbeitsaufwand, sondern vor allem eine Frage der Organisation und der Ansprache.
Wenn das Team weiß, welche Patienten infrage kommen und wie das Thema sauber kommuniziert wird, lässt sich die Einschreibequote deutlich erhöhen –
ohne Mehrbelastung für den Arzt.
HZV ist damit kein politisches Statement, sondern eine unternehmerische Entscheidung für mehr Stabilität und Planbarkeit im Praxisalltag.
Das ist ein echter Ergebnishebel.
Stellschraube 6: TSVG strategisch nutzen, statt Mehrarbeit zu erzeugen
Die sechste Stellschraube ist gleichzeitig eine der wirkungsvollsten und leider auch eine der am wenigsten konsequent genutzten.
Normalerweise kennen wir es im Gesundheitssystem ja eher so:
mehr Arbeit, mehr Bürokratie, aber nicht mehr Geld.
Beim TSVG ist das ausnahmsweise anders.
Und das Verrückte daran: Es funktioniert tatsächlich.
Der Gesetzgeber hat hier ganz bewusst eine Möglichkeit geschaffen,
bestimmte Leistungen extrabudgetär zu vergüten.
Also: außerhalb der Budgetdeckelung.
Und trotzdem wird dieses Instrument in vielen Praxen nur halbherzig oder gar nicht genutzt.
Zwei dieser Möglichkeiten sind besonders relevant: der Hausarztvermittlungsfall und die offene Sprechstunde.
Beginnen wir mit dem Hausarztvermittlungsfall, der wirklich ein enormer wirtschaftlicher Hebel.
Denn sobald ein Patient mit einer als dringend gekennzeichneten Überweisung vom Hausarzt kommt, werden alle Leistungen des Facharztes im Vorstellungsquartal voll vergütet.
Zusätzlich gibt es – bei zeitnaher Behandlung – einen Zuschlag von 100 Prozent auf die Grundpauschale.
Das bedeutet ganz konkret:
Hier reden wir nicht über ein paar Euro, sondern je nach Fachrichtung über 100 bis 150 Euro pro Fall – extrabudgetär.
Wenn man dieses Potenzial realistisch betrachtet und nur von etwa 10 Prozent der Patienten ausgeht, die als Hausarztvermittlungsfälle kommen, reden wir sehr schnell über 40.000 bis 60.000 Euro Mehrerlös pro Jahr und Behandler.
Und trotzdem höre ich in Gesprächen immer wieder Sätze wie: „Ja, wir bekommen kaum HAFa-Überweisungen.“
Oder: „Wir wollen den Hausarzt ja nicht belästigen.“
Das ist ein Denkfehler.
Denn der Hausarzt ist hier kein Bittsteller, sondern auch er profitiert davon:
Er kann für jeden von ihm veranlassten Hausarztvermittlungsfall 15,63 € abrechnen, was in einer durchschnittlichen Hausarztpraxis mit 1.000 Scheinen pro Behandler im Quartal eine Zusatzeinnahme pro Arzt von rund 10.000 € jährlich ausmachen kann.
Und trotzdem wird dieses Instrument in vielen Praxen kaum genutzt.
Nicht, weil es kompliziert wäre. Sondern, weil es an Struktur und Zuweisermanagement fehlt.
Der Hausarztvermittlungsfall funktioniert nicht zufällig.
Er braucht aktive Steuerung:
- klare Kommunikation zwischen Fach- und Hausarztpraxen
- klare Abläufe im jeweils eigenen Team
- und klare Zeitfenster im Kalender der Facharztpraxis
Dann wird aus dem vermeintlichen Sonderfall ein planbarer Bestandteil der Praxisorganisation.
Und genau hier kommt die offene Sprechstunde ins Spiel.
Diese wird leider allzu oft als Volumenbringer und Instrument, um einfach mehr Patienten durchzuschleusen gesehen.
Wer sie so nutzt, produziert vor allem eines: mehr Chaos und mehr Stress.
Richtig eingesetzt ist die offene Sprechstunde ein Steuerungsinstrument.
Sie ermöglicht es, Patienten zunächst niedrigschwellig zu sehen und anschließend – bei medizinischer Notwendigkeit – gezielt in extrabudgetär vergütete Konstellationen zu überführen.
Das setzt voraus, dass die offene Sprechstunde klar strukturiert ist:
- feste Zeitfenster
- klare Kriterien, welche Patienten dort hineingehören
- und ein Team, das versteht, warum diese Struktur existiert
In dieser Kombination – offene Sprechstunde plus Hausarztvermittlungsfall – entsteht kein zusätzlicher Arbeitsdruck, sondern mehr Steuerbarkeit.
Wer diese Instrumente strategisch nutzt, schafft Ordnung, Klarheit und erschließt extrabudgetäre Erlöse. Ohne die Praxis weiter zu überlasten.
Und genau das macht diese sechste Stellschraube zu einem echten Effizienzhebel.
Fazit: Effizienz entsteht durch Struktur, nicht durch Mehrarbeit
Eines wird ziemlich deutlich:
Eine Verdopplung des Praxisgewinns hat in den seltensten Fällen etwas mit mehr Arbeit oder mehr Patienten zu tun.
Es geht fast immer um Struktur.
- Um einen Kalender, der die Praxis steuert und nicht umgekehrt.
- Um sinnvoll gewählte Terminslots, statt historisch gewachsener Abläufe.
- Um digitale Infrastruktur, die entlastet, statt zu beeindrucken.
- Um Zusatzleistungen, die strukturiert angeboten werdennund echten Mehrwert für Patienten schaffen.
- Um HZV als Verbesserung der medizinischen Versorgung und stabilen, planbaren Ertragsfaktor.
- Und um eine intelligente Nutzung der Spielräume, die das TSVG ganz bewusst eröffnet hat.
- All diese Stellschrauben greifen ineinander.
Keine davon bringt isoliert den Durchbruch – aber gemeinsam machen sie den Unterschied zwischen viel Arbeit und echtem Ergebnis.
Effizienz bedeutet dabei nicht, sich selbst oder das Team zu optimieren.
Effizienz bedeutet, die Praxis richtig aufzustellen.
Wenn Du Fragen zu einzelnen Punkten des Blogs hast oder Dir Unterstützung bei der Umsetzung anderer Themen wünschst, dann melde Dich! Wir können dann einen Termin für ein unverbindliches und selbstverständlich kostenloses Erstgespräch ausmachen und dabei besprechen, wie wir Dich am besten unterstützen können.
Wenn Dir der Blog gefallen hat, folge uns auch gerne auf Social Media für noch mehr Tipps und Impulse, um Deine Praxis zur Effizienzpraxis zu wandeln.


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