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[95] – Warum manche Praxis-Teams nicht mehr zu retten sind

Warum manche Praxis-Teams nicht mehr zu retten sind

Lesezeit ca. 6 Min.

Viele Praxisinhaber spüren längst: Irgendwas im Team stimmt nicht mehr.
Die Stimmung ist angespannt, die Leistungsbereitschaft sinkt. Veränderungen werden blockiert.

Und der Arzt?
Der arbeitet einfach mehr und versucht, die Risse zu kitten.

Eines ist klar: So kann es nicht weitergehen.

Aber warum wird dann trotzdem nicht gehandelt?

Die ehrliche Antwort lautet: Weil auch hier ein alter Satz wirkt, der schon viele gute unternehmerische Entscheidungen verhindert hat:

„Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Die Hoffnung, dass sich jemand doch noch ändert. Dass Gespräche irgendwann fruchten. Dass sich das Team „zusammenrauft“.

Aber Hoffnung ist keine Strategie. Und Hoffnung ersetzt keine Führung.

Denn je länger ein dysfunktionales Team bestehen bleibt, desto mehr verfestigen sich die Muster, die es überhaupt erst dysfunktional gemacht haben.

O.k., aber was ist zu tun?

Wenn Dich das interessiert, dann solltest Du jetzt unbedingt dranbleiben.

Nicht jedes Team ist entwicklungsfähig – eine unbequeme, aber entlastende Wahrheit

Zu Beginn kommen wir gleich zu einer der wichtigsten – und entlastendsten – Erkenntnisse aus unserer langjährigen Erfahrung:

Nicht jedes Team ist entwicklungsfähig.

Teams scheitern selten an Fachlichkeit.
Sie scheitern an Dynamiken:

  •  informellen Machtstrukturen
  • stillen Blockierern
  • chronischer Unzufriedenheit
  • innerer Kündigung

Man kann ein Team coachen. Man kann moderieren, strukturieren, begleiten.

Aber man kann ein Team nicht gegen seinen Willen verändern.

Und genau hier liegt der Punkt, an dem manche Praxis-Teams nicht mehr zu retten sind.
Nicht aus Bosheit. Nicht aus Inkompetenz.

Sondern weil die Bereitschaft zur Veränderung fehlt.

Wenn die Falschen das Klima bestimmen, gehen die Guten

Ein weiterer zentraler Punkt: Solange B- und C-Mitarbeiter den Ton angeben, hat ein A-Mitarbeiter in diesem Umfeld keine Chance.

A-Mitarbeiter wollen:
• Klarheit
• Struktur
• Verlässlichkeit
• und ein Umfeld, in dem Leistung zählt

Viele Praxisinhaber wundern sich, warum gute neue Mitarbeiter nach kurzer Zeit wieder weg sind. Die Antwort liegt – auch wenn es einfachheitshalber anders kommuniziert wird – selten im Gehalt. Sie liegt fast immer im Teamklima.

Sie halten Dauerfrust, Unklarheit und unterschwellige Konflikte nicht aus. Dann gehen sie lieber.
Leise und schnell.

Solange B- und C-Mitarbeiter das Klima bestimmen, wird kein A-Mitarbeiter bleiben – egal wie gut dein Gehalt ist.

Warum viele Praxisinhaber trotz Klarheit nicht handeln

Aber, wenn das alles so klar ist – warum gibt es dann immer noch Praxisinhaber, die es trotzdem einfach so weiterlaufen lassen?

Ehrliche Antwort?

Weil ein echter Neustart bedeutet, dass unangenehme Entscheidungen getroffen werden müssen. C-Mitarbeiter müssen konsequent getrennt werden. Und ja – es muss auch Geld in die Hand genommen werden, um Versäumnisse der Vergangenheit zu korrigieren.

Genau an diesem Punkt bleiben viele stehen. Nicht aus Unwissenheit, sondern aus Bequemlichkeit, Angst oder falscher Loyalität.

Viele bleiben lieber im bekannten Schmerz, als den Schritt in eine ungewisse, aber gestaltbare Zukunft zu gehen. Doch genau dieses Zögern verhindert Entwicklung.

Sichtbarkeit, Image und Außenwirkung – der oft übersehene Hebel

Was dabei besonders auffällig ist: Fast alle Praxen mit massiven Personalproblemen haben eines gemeinsam –
eine sehr geringe Sichtbarkeit und eine suboptimale Außenkommunikation.

Oder, um es ganz klar zu sagen: Website, Social Media, Google- und inzwischen auch KI-Sichtbarkeit haben in den seltensten Fällen das Niveau, das man heute als State of the Art bezeichnen würde.

Und das hat unmittelbare Folgen.

Denn jede gute MFA, jede medizinische Fachkraft, die weiß, dass sie was kann, hat heute einen Job. Und dort wird sie in aller Regel auch ordentlich bezahlt.

Trotzdem zeigen aktuelle Studien: Rund 46 Prozent dieser Mitarbeiter sind grundsätzlich offen für ein besseres Angebot.

Und jetzt kommt der entscheidende Punkt:
„Besser“ heißt nicht automatisch „besser bezahlt“.

Besser heißt:
• ein interessanteres Aufgabenfeld
• klarere Strukturen
• ein modernes Arbeitsumfeld
• und nicht zuletzt: eine Praxis mit guter Reputation – eine Praxis, die man kennt.

Warum Praxen heute um Aufmerksamkeit konkurrieren – nicht nur um Gehalt

Das ist im Gesundheitswesen übrigens kein bisschen anders als in anderen Branchen.

Bei Unternehmen wie Porsche oder Airbus stehen die guten Bewerber Schlange. Nicht, weil dort vielleicht ein Euro mehr gezahlt wird, sondern wegen Image, Kultur und Außenwirkung.

Bei weniger imageträchtigen Zulieferern wie Vitesco Technologies oder FAG Kugelfischer ist die Gewinnung guter Mitarbeiter deutlich schwieriger – obwohl dort fachlich oft hervorragende Arbeit geleistet wird.

Und genau hier liegt dein unternehmerischer Vorteil als Praxisinhaber: In der Ärzteschaft haben die wenigsten diese Zusammenhänge erkannt. Und noch weniger tun gezielt etwas dafür, sich als moderner, attraktiver Arbeitgeber sichtbar zu machen.

Das bedeutet: Du konkurrierst aktuell nicht mit den Besten – sondern mit dem Durchschnitt.

Klare Entscheidungen statt Durchhalten: Wie echte A-Teams entstehen

Und wer bereit ist, seine Praxis bewusst zu positionieren, klar zu kommunizieren, wofür sie steht und was sie ihren Mitarbeitern bietet, hat heute exzellente Chancen, genau die A-Mitarbeiter anzuziehen, die andere Praxen nie erreichen.

Und damit schließt sich der Kreis dieser Folge.

Manche Praxis-Teams sind – so leid es mir tut – schlicht und einfach nicht mehr zu retten.

Strukturen, Dynamiken und eine fehlende Bereitschaft zur Veränderung machen Entwicklung in manchen Fällen mehr oder minder unmöglich.

Und das ist kein persönliches Versagen. Das ist eine Realität, die man anerkennen muss.

Ein nicht funktionierendes Team ist kein Schicksal. Der Fehler ist nicht, das zu erkennen. Der Fehler ist, nichts daraus zu machen.

Denn ein funktionierendes A-Team entsteht nicht durch Hoffnung oder Durchhalten.
Sondern durch klare, mutige Entscheidungen.

Ein gutes Team entsteht durch klare, mutige Entscheidungen.

Ja – das ist unbequem. Ja – das braucht Mut.

Aber die Erfahrung zeigt sehr eindeutig: Praxen mit echten A-Teams sind ruhiger. Sie sind wirtschaftlicher. Sie sind konfliktärmer.

Und sie sind deutlich attraktiver – sowohl für den Inhaber und die Patienten als auch für alle Mitarbeiter.

Oder, um es auf einen Satz zu bringen: Ein gutes Team ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis klarer Entscheidungen.

Wie Du jetzt sinnvoll und strukturiert weitermachst

Was ich allerdings immer wieder erlebe, ist, dass die meisten Praxisinhaber zwar sehr genau wissen, dass sich etwas ändern muss –
aber die Klarheit fehlt, wie das konkret vonstattengehen soll.

Wo fängt man an?
Was ist der nächste sinnvolle Schritt?
Und was sollte man besser nicht allein entscheiden?

Genau an diesem Punkt musst Du diesen Weg auch nicht allein gehen.

Es geht darum,
• die Teamsituation nüchtern zu analysieren,
• Entscheidungen sauber vorzubereiten,
• die eigene Außenwirkung zu schärfen
• und Schritt für Schritt ein Umfeld aufzubauen, in dem ein echtes, funktionierendes Team entstehen kann.

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