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[99] – Finanzmanagement für Praxisinhaber – So baust Du echte unternehmerische Freiheit auf

Finanzmanagement für Praxisinhaber – So baust du unternehmerische Freiheit auf

Lesezeit ca. 6 Min.

Was würde passieren, wenn Ihre Praxis ab morgen plötzlich 30 Prozent weniger Umsatz macht?

Keine Katastrophe.
Kein kompletter Ausfall.
Nur 30 Prozent weniger.

Würden Sie ruhig bleiben?

Oder würden Sie anfangen, nervös zu rechnen?

Genau an diesem Punkt entscheidet sich, ob Sie wirklich unternehmerisch frei sind –
oder ob Sie einfach nur gut ausgelastet sind.

In der letzten Folge haben wir darüber gesprochen, warum hohe Umsätze noch lange keine Freiheit bedeuten.

Heute gehen wir einen Schritt weiter.
Heute zeige ich Ihnen ganz konkret,

  • wie Sie systematisch Liquidität aufbauen,

  • welche Rücklagen wirklich sinnvoll sind

  • und welche Kennzahlen Sie im Blick haben sollten,

damit Sie nicht mehr aus dem Bauch,
sondern aus Klarheit entscheiden.

Wenn Sie das interessiert, dann sollten Sie jetzt unbedingt weiterlesen.

Warum Liquidität in der Arztpraxis kein Zufall sein darf

Viele Praxisinhaber hoffen ja, dass am Ende des Jahres „etwas übrig bleibt“.

Das ist kein System. – Das ist Hoffnung.

Liquidität entsteht nicht durch Zufall. Sie entsteht durch Struktur.

Und der erste Schritt ist banal – aber entscheidend:
Die konsequente Trennung der Geldströme.

Wenn alles auf einem Praxiskonto landet und von dort alles bezahlt wird,
haben Sie keine Transparenz.

Deshalb empfehle ich ein einfaches Mehr-Konten-System:

  1. Betriebskonto für laufende Kosten der Praxis

  2. Steuerkonto

  3. Sicherheits- und Investitionskonto

  4. Das Privatkonto

Das Geld, das auf Ihrem Betriebskonto eingeht, wird entsprechend einer klar definierten Aufteilung monatlich verteilt.

Nicht am Jahresende.
Nicht „wenn etwas übrig ist“.
Sondern jeden Monat.

Private und betriebliche Finanzen strikt trennen

Lassen Sie uns ganz praktisch anfangen.

Ich sehe immer wieder Kollegen, die ihre privaten Ausgaben ganz oder teilweise über das Betriebskonto laufen lassen.
Das ist ein absolutes No-Go.

Setzen Sie sich bitte einmal in Ruhe hin und ermitteln Sie Ihren tatsächlichen privaten Finanzbedarf.

Inklusive aller Extras.
Inklusive Urlaub.
Inklusive Sonderausgaben.

Daraus errechnen Sie eine monatliche Summe.

Diese Summe überweisen Sie sich auf Ihr Privatkonto.

Und ab diesem Moment behandeln Sie sich wie einen Angestellten.

Ein festes Gehalt.
Eine Anpassung einmal im Jahr.
Und das war’s.

Allein diese Trennung bringt enorme Klarheit.

Die wichtigste Kennzahl: Ihre Liquiditätsreichweite

Jetzt kommt eine Zahl, die Sie kennen sollten:

Wie viele Monate fixe Betriebskosten könnten Sie aus vorhandener Liquidität decken?

Rechnen Sie es nüchtern durch:

Wenn Ihre monatlichen Fixkosten 50.000 € betragen und Sie 90.000 € Liquidität auf der hohen Kante haben, dann haben Sie nicht einmal zwei Monate Sicherheit.

Das ist wenig.

Als Zielwert sollten Sie mindestens drei Monate Betriebskosten anpeilen, langfristig eher sechs.

Das klingt im ersten Moment vielleicht viel.

Ist aber nichts anderes als unternehmerische Risikovorsorge.

Krankenhäuser und Industriebetriebe kalkulieren so.

Nur Arztpraxen glauben oft, sie bräuchten das nicht.

Welche Rücklagen Praxisinhaber wirklich brauchen

Viele Praxisinhaber sagen: „Ich habe Rücklagen.“

Dann schaut man genauer hin.

Und es ist einfach nur Geld auf dem Girokonto.

Rücklagen brauchen Zweckbindung.

Ich unterscheide drei Arten von Rücklagen.

1. Steuer-Rücklage

Um auf der sicheren Seite zu sein, empfehle ich von Beginn an monatlich einen festen Prozentsatz vom Umsatz auf das Steuerkonto zu überweisen.

Als groben Richtwert kann man 15 % nehmen, aber das gilt es für jeden Einzelfall genau zu überprüfen.

Das Geld, das sich auf dem Steuerkonto ansammelt, ist absolut unantastbar.

Es ist einzig und allein für Steuerzahlungen zu verwenden.

2. Sicherheits- und Investitions-Rücklage

Hier geht es darum, ein Polster zu schaffen für

  • Umsatzschwankungen

  • Krankheitsausfälle

  • Ersatz- und Neuinvestitionen

  • Umbau und Expansion

Als Orientierungswert halte ich 5 % vom Umsatz für realistisch.

Spätestens jetzt wird klar, wieso wir so stark dafür plädieren, zu Beginn der Niederlassung die privaten Kosten auf einem absoluten Minimum zu halten.

Wenn Sie nämlich Tilgung, Steuern und Rücklagen sauber berücksichtigen, bleibt am Anfang oft deutlich weniger übrig, als viele denken.

Und wenn am Ende des Jahres nicht mindestens 100.000 – 120.000 € übrig bleiben, dann stimmt entweder Ihre Kostenstruktur nicht – oder Ihr Umsatz ist zu niedrig.

Und ja – meist ist der zu geringe Umsatz das eigentliche Problem.

Das ist im Normalfall aber relativ einfach zu lösen.

Sollten Sie gerade keine Idee haben, wie Sie den Umsatz schnell und ohne großes Aufheben hoch skalieren können, dann melden Sie sich einfach bei mir. Umsatz- und Ertragsskalierung ist eines meiner absoluten Lieblingsthemen.

3. Die private Unternehmer-Rücklage

Die Sparquote der privaten Haushalte in Deutschland liegt zwischen 10 und 11 % des verfügbaren Einkommens.

Als Unternehmer sollten Sie mindestens in dieser Größenordnung privat Rücklagen bilden.

Monat für Monat.

Was wirklich spannend ist:

Sobald diese drei Töpfe existieren, verändert sich Ihre Denkweise komplett.

Sie denken strategischer.
Sie fühlen sich stabiler.
Sie werden ruhiger.

Probieren Sie es aus.

Die wichtigsten Kennzahlen für Praxisinhaber

Als treuer Podcasthörer ist Ihnen natürlich die Bedeutung eines guten Kennzahlenmanagements bewusst.

Sollten Sie in Ihrer Praxis noch nicht damit arbeiten, kann ich Ihnen nur inständig empfehlen, unseren Onlineworkshop Kennzahlenmanagement zu buchen. Ich verspreche: Damit lässt sich relativ einfach Ihr Ertrag optimieren und außerdem Ihr Unternehmen Arztpraxis ohne großen Aufwand sicher in die Zukunft führen.

Für heute wollen wir es aber bei gerade einmal drei Kennzahlen belassen, die direkt zu diesem Thema gehören.

1. Die Liquiditätsreichweite

Die Frage also:
Wie viele Monate kann die Praxis auch ohne Einnahmen überleben?

2. Die Gewinnquote

Hierbei geht es um den Gewinn vor Steuern im Verhältnis zum Umsatz.

Funktionierende Einzelpraxen liegen üblicherweise zwischen 40 und 50 %.

Unter 30 % wird es – egal bei welcher Praxisgröße – recht schnell wirklich eng.

3. Die Personalkostenquote

In vielen Praxen liegt sie zwischen 30 und 40 %.

Aber Vorsicht: weniger ist nicht unbedingt gut und mehr nicht zwingend schlecht.

Das muss man wirklich sehr sauber individuell analysieren.

Banken und Steuerberater fehlt da leider oft der operative Blick auf das Praxisgeschäft.

Und nur Durchschnittswerte zu vergleichen führt hierbei schnell zu falschen Schlussfolgerungen.

So funktioniert systematischer Liquiditätsaufbau in der Praxis

Soweit so gut, aber nun kommt doch die Kernfrage:

Wie funktioniert systematischer Liquiditätsaufbau denn nun ganz konkret?

Einzig und allein durch feste Quoten und eiserne Disziplin.

Wir hatten ja vorhin schon Beispiele genannt:

  • 15 % des Umsatzes gehen Monat für Monat in die Steuerrücklage

  • 5 % des Umsatzes gehen in die Sicherheits- und Investitions-Rücklage

Außerdem überweisen Sie sich jeden Monat eine feste Summe auf Ihr Privatkonto – quasi als Gehalt.

Und davon wiederum überweisen Sie monatlich 10 % auf ein Tagesgeldkonto als „private Unternehmer-Rücklage“, also als Ihre persönliche Sicherheit.

Was wirklich wichtig ist, ist einerseits zu lernen, eine völlige Trennung Ihrer privaten Finanzen von denen Ihres „Unternehmens Arztpraxis“ herzustellen.

Und andererseits die Disziplin zu entwickeln, diese Überweisungen automatisch absolut regelmäßig vorzunehmen.

Komme, was da wolle – sie werden weder verschoben noch einen Monat mal ausgesetzt.

Warum finanzielle Rücklagen echte unternehmerische Freiheit schaffen

Es dauert eine Zeit, bis das in Fleisch und Blut übergegangen ist, aber bereits nach 18 Monaten haben Sie plötzlich Konten mit nennenswerten Rücklagen und Liquiditätsreserven aufgebaut.

Und das macht etwas mit Ihnen.

Sie beginnen, das Gefühl von Freiheit und Sicherheit zu erleben.

Sie werden sich plötzlich bewusst, dass Sie mit dieser Reserve das erste Mal wirklich frei sind.

Denn jetzt können Sie entscheiden, wie es weitergehen soll.

Wofür Sie dieses Geld nutzen wollen:

  • Wollen Sie es als Sicherheit haben, um eine schlechte Phase souverän überstehen zu können und in jedem Fall wieder ruhig schlafen zu können?

  • Oder wollen Sie es investieren, Personal aufbauen, Wachstum finanzieren?

Das klingt vielleicht verrückt, aber der eigentliche Effekt ist nicht nur finanziell. Er ist mental.

Wenn Sie wissen, dass Sie sechs Monate Sicherheit haben, treten Sie anders auf.

Sie verhandeln anders mit Banken.
Sie führen Mitarbeiter anders.
Sie denken größer.

Liquidität erzeugt unternehmerische Ruhe. Und Ruhe erzeugt bessere Entscheidungen.

Viele Praxen wachsen aus Druck.

„Wir brauchen mehr Umsatz, sonst wird es eng.“

Das ist defensives Wachstum.

Gesundes Wachstum entsteht aus Stärke.

„Wir haben Rücklagen. Wir investieren bewusst.“

Das ist ein völlig anderer Mindset.

Fazit: Liquidität ist ein Führungsinstrument

Liquidität ist keine Buchhaltungsfrage. Sie ist ein Führungsinstrument.

Wenn Sie systematisch Liquidität aufbauen, gewinnen Sie Entscheidungsfreiheit.

Und Entscheidungsfreiheit ist das, was viele unter „Selbstständigkeit“ verstehen – aber selten strukturiert aufbauen.

Wenn Sie heute nur einen Gedanken mitnehmen, dann bitte diesen:

Liquidität entsteht nicht am Jahresende. Sie entsteht Monat für Monat.

Wenn Sie Fragen zu einzelnen Punkten dieses Blogbeitrags haben oder Unterstützung bei der Umsetzung wünschen, melden Sie sich gerne bei uns. In einem unverbindlichen und selbstverständlich kostenlosen Erstgespräch besprechen wir gemeinsam, wie wir Sie am besten unterstützen können.

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