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[73] – Gemeinschafts- oder Einzelpraxis – welche Variante passt besser zu Dir?

Gemeinschafts- oder Einzelpraxis – welche Variante passt besser zu Dir?

Lesezeit ca. 6min

Die Frage „Gemeinschafts- oder Einzelpraxis, was ist besser?“ gehört zu den meistdiskutierten Themen in der ärztlichen Niederlassung: Egal, ob Du Dich gerade mit Deiner eigenen Niederlassung beschäftigst, bereits eine Praxis hast und über Veränderungen nachdenkst oder in einer Gemeinschaftspraxis als Mitgesellschafter mitwirkst und Veränderungen anstoßen möchtest.

Die Entscheidung für das passende Modell sollte keinesfalls auf Basis von Bauchgefühl oder Hörensagen getroffen werden. Denn wie so oft liegt die Wahrheit im Detail und in Deinen persönlichen Zielen.

Die Vorteile der Gemeinschaftspraxis

Wirtschaftliche Vorteile und geteilte Verantwortung

Eine Gemeinschaftspraxis bietet auf den ersten Blick viele wirtschaftliche Vorteile. Hohe Investitionen in Miete, Einrichtung oder medizinische Geräte werden auf mehrere Schultern verteilt. Auch die laufenden Verwaltungskosten fallen für den Einzelnen geringer aus als in einer Einzelpraxis.

Gemeinsames Arbeiten und kollegiale Vertretung

Ein weiterer Pluspunkt ist die kollegiale Zusammenarbeit. Du kannst Dich mit Partnern austauschen, voneinander lernen und Dich bei Urlaub oder Krankheit gegenseitig vertreten lassen.

Aber: Dieses Modell hängt weniger von der formellen Struktur einer Gemeinschaftspraxis ab, sondern davon, dass mehrere Behandler unter einem Dach arbeiten. Auch in einer Einzelpraxis kannst Du dieses Konzept realisieren, indem Du angestellte Ärzte einstellst.

Vertraute Arbeitsumgebung in größeren Gemeinschaftspraxen

Gerade große, meist operative Gemeinschaftspraxen erinnern viele an die vertrauten Abläufe im Krankenhaus. Wenn Du direkt aus der Klinik kommst, findest Du hier oft eingespielte Prozesse vor. Das kann den Einstieg erleichtern. Insbesondere, wenn Du Dich zu Beginn weniger mit unternehmerischen Aufgaben beschäftigen möchtest. Allerdings ist dieses Modell nur dann passend, wenn Du nicht den Wunsch verspürst, vieles selbst zu gestalten oder zu verändern. Wer gerne optimiert und Verantwortung übernimmt, kann hier schnell an strukturelle Grenzen stoßen. Was uns direkt zu den Nachteilen einer Gemeinschaftspraxis führt.

Die Nachteile einer Gemeinschaftspraxis

Entscheidungen im Kollektiv

Die größte Herausforderung: Entscheidungen werden gemeinsam getroffen per Gesellschafterbeschluss. Das bedeutet, dass Du fast immer die Zustimmung Deiner Partner brauchst. Kompromisse, lange Abstimmungsprozesse und unterschiedliche Meinungen gehören zum Alltag und nicht alle Beteiligten sind immer offen für Veränderung, was die Veränderung stark ausbremsen kann.

Praxisbeispiel #1: Drei Gesellschafter, unterschiedliche Ziele

Drei etablierte Orthopäden um die 50 führen bereits seit längerer Zeit eine Gemeinschaftspraxis. Einer wandte sich an uns mit dem Wunsch Prozesse grundlegend optimieren und die Effizienz zu erhöhen. Die anderen waren damit einverstanden, wollten jedoch Aufwand und Kosten nicht mittragen. Schon länger bestehende Spannungen führen zu einem grundlegenden Streit und Gespräche sind nur noch über Anwälte möglich. Ein Ausstieg wird von unserem Kunden erwogen, ist jedoch kompliziert. Das Team blockiert sich gegenseitig, die Praxisentwicklung kommt zum Stillstand.

Praxisbeispiel #2: Mehrgenerationen-Gemeinschaftspraxis

Sechs Gesellschafter, drei Altersgruppen – und unterschiedliche Vorstellungen. Ein jüngerer Kollege möchte in professionelles Recruiting und Employer Branding investieren, da viele ältere Mitarbeiter kurz vorm Ruhestand stehen. Die älteren Partner stimmten aber bisher nicht hinzu. Ihr Motto: „Es läuft doch.“ Fortschritt und Weiterentwicklung bleiben auf der Strecke und das Projekt stagniert.

Dynamik zwischen Menschen verändert sich

Auch persönliche Entwicklungen spielen eine Rolle. Vielleicht gründest Du mit einem langjährigen Kollegen oder einer Kollegin aus der Klinikzeit – das funktioniert anfangs wunderbar. Doch wenn sich private Lebensumstände ändern, etwa durch Familiengründung oder Umzug, kann sich auch die gemeinsame Vision verändern. Häufig entstehen daraus Missverständnisse und Spannungen.

Praxisbeispiel #3: Zwei Gründer, zwei Wege

Zwei junge Ärzte übernehmen eine Praxis, pendeln anfangs gemeinsam dorthin und treffen wichtige Entscheidungen auf dem Arbeitsweg. Dann ziehen beide um, die Wege trennen sich, einer findet eine neue Partnerin – und bald entwickelt sich ein Ungleichgewicht: Einer fühlt sich überlastet, der andere möchte mehr Freiraum. Das Ergebnis: Frust auf beiden Seiten und wachsender Konflikt.

Einzelpraxis: Die bessere Wahl für unternehmerische Typen?

All diese Beispiele zeigen: Gemeinschaftspraxen bieten finanzielle Vorteile, schränken aber oft Deine unternehmerische Freiheit ein. Wenn Du gerne nur behandelst und keine alleinige Verantwortung tragen willst, kann dieses Modell gut zu Dir passen. Du würdest diesen Blog aber vermutlich nicht lesen, wenn Du kein Interesse an Veränderung, Optimierung und Effizienzsteigerung hättest und somit zumindest ein gewisses Unternehmergen in Dir steckt.

Wenn Du gerne schnell entscheidest, Prozesse verbesserst und Ideen direkt umsetzen möchtest, stößt Du in einer Gemeinschaftspraxis schnell an Grenzen. Dann ist die Einzelpraxis (oder eine Mehrbehandlerpraxis unter Deiner Leitung) wahrscheinlich besser geeignet.

Einzelpraxis heißt nicht gleich Ein-Mann- oder Ein-Frau-Betrieb

Eine Einzelpraxis bedeutet nämlich nicht, dass Du alles allein machen musst. Du kannst Mitarbeitende oder Kollegen anstellen, aber bleibst trotzdem alleiniger Inhaber. Das erlaubt Dir unternehmerische Freiheit, während Du im medizinischen Bereich wirtschaftlich auf mehreren Schultern aufbauen kannst.

Und was ist mit der Verantwortung?

In der Einzelpraxis trägst Du die volle Verantwortung. Aber genau das kann als Vorteil gelten: Du entscheidest, setzt um und reagierst flexibel. Natürlich erfordert dies betriebswirtschaftliches Know-how und Führungsstärke. Wenn Dich das eher abschreckt und Du Dich nur auf die Medizin konzentrieren willst, ist aber ehrlich gesagt ein Angestelltenverhältnis mit maximaler Flexibilität und minimalen Verpflichtungen eventuell die bessere Wahl für Dich anstelle einer eigenen Niederlassung. Ganz egal ob Einzel- oder Gemeinschaftspraxis.

Fazit: Einzel- oder Gemeinschaftspraxis? Das hängt von Dir ab.

  • Willst Du Dich auf Deine Patienten konzentrieren und Risiken teilen, kann die Gemeinschaftspraxis ideal sein. Meidest du Verantwortung eher solltest du über eine reine Anstellung als Arzt in einer Mehrbehandlerpraxis nachdenken.
  • Liebst Du es, eigene Ideen umzusetzen und selbst zu entscheiden? Dann ist die Einzelpraxis vermutlich passender.

Denk daran: Eine Einzelpraxis kann auch ein Team umfassen. Wichtig ist, dass die Verantwortung bei Dir bleibt, ebenso wie die unternehmerische Freiheit.

Am Ende zählt Deine Zufriedenheit. Wähle den Weg, der zu Dir passt und lass Dich auf Wunsch professionell begleiten. Egal ob Du Deine eigene Praxis gründen willst, aber noch nicht genau weißt in welcher Form, oder Du bereits in einer problematischen Situation als Mitgesellschafter einer Gemeinschaftspraxis steckst und einen Mediator suchst: Schicke gerne an eine E-Mail an w.apel@medikom.org. und wir machen einen Termin für ein unverbindliches und kostenloses Erstgespräch aus, um zu besprechen, wie wir Dich am besten unterstützen können

Dein Wolfgang Apel

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