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[77] – Praxiseinnahmen versus Steuerzahlungen

Praxiseinnahmen versus Steuerzahlungen

Lesezeit ca. 4 Min.

„Ich arbeite ja eigentlich nur fürs Finanzamt.“

Diesen Satz hören wir in der Beratung von Praxisinhabern immer wieder. Und ja, es fühlt sich für viele tatsächlich so an. Doch stimmt dieses Bauchgefühl auch mit den Fakten überein? Und vor allem: Woher kommt dieses Gefühl und was kannst Du dagegen tun?

Fakten statt Gefühl: Wie viel bleibt wirklich übrig?

Wer als Praxisinhaber ein zu versteuerndes Einkommen von z. B. 500.000 € erzielt (was bereits zur oberen Liga gehört), zahlt als verheiratete Person inkl. Solidaritätszuschlag keine 200.000 € an das Finanzamt. Bedeutet: Es bleiben netto über 60 % zur privaten Verfügung und selbst bei Ledigen ist die Steuerlast nur moderat höher.

Das Problem liegt also nicht primär in der Steuerhöhe, sondern im wirtschaftlichen Umgang mit Einnahmen, Ausgaben und  ganz besonders in der Planung Deiner Finanzen ab dem Tag der Niederlassung.

Der Ursprung liegt meist im Start

Viele wirtschaftliche Schwierigkeiten beginnen in den ersten Jahren nach der Praxisgründung. Häufige Ursache: Falsche Erwartungshaltungen ans Gehalt aus vorhergehender angestellten Tätigkeit und ein unrealistischer Lebensstil, im Vertrauen darauf, dass „schon genug Geld reinkommt“. In der Anfangszeit mag das stimmen, weil:

  • Der Bankdispo großzügig eingeräumt ist,
  • Rückzahlungen noch nicht greifen und
  • Steuervorauszahlungen niedrig sind.

Aber Mitte des zweiten, spätestens im dritten Jahr kommt es zu ersten Zahlungen, die Deine Liquidität merklich einschränken können:

  1. Beginn der Tilgung des Praxisdarlehens
  2. Erste Steuererklärung beim Finanzamt

Der große Knall kommt aber in Jahr vier oder fünf nach Praxisgründung. Du hast dank guter Praxisentwicklung erstmalig ein nennenswertes zu versteuernden Einkommen von beispielsweise 150.00 €. Hierfür sind als Verheirateter Praxisinhaber knapp 41.000 € zu entrichten, aber es bleibt nicht bei einer einmaligen Zahlung. Das Finanzamt verlangt von Dir auf einmal:

  1. Steuernachzahlung für das vorletzte Jahr,
  2. Nachträgliche Vorauszahlung für das letzte Jahr,
  3. Vorauszahlung für das laufende Jahr.

Das sind schnell über 100.000 €, die auf einen Schlag fällig werden – oft ohne ausreichende Rücklagen. Und genau da entsteht das Gefühl: „Ich arbeite nur fürs Finanzamt.“

Erwartung vs. Realität: Was macht eigentlich Dein Steuerberater?

Die Erwartungen die Praxisinhaber an ihre Steuerberater haben, verschärfen die Situation oftmals noch. Ein weitverbreiteter Irrglaube ist: Steuerberater geben unternehmerische Tipps oder warnen frühzeitig vor finanziellen Engpässen. Die Realität ist ernüchternd: Steuerberater sind verantwortlich für die korrekte Erstellung der Steuererklärung, basierend auf den Belegen, die Du lieferst. Nicht mehr und nicht weniger.

Für Praxisstrategie, Liquiditätsplanung oder Controlling sind sie nicht zuständig. Diese Erwartung ist unrealistisch und gefährlich.

5-Konten-Modell: So behältst Du den Überblick

Wenn Du wirtschaftlich auf der sicheren Seite sein willst, brauchst Du ein Konzept. Ein praxiserprobtes und bewährtes Instrument ist das 5-Konten-Modell:

  1. Praxiskonto – Nur für Einnahmen und betriebliche Ausgaben, wie Mitarbeitergehälter.
  2. Privatkonto – Hierhin überweist Du monatlich von Deinem Praxiskonto eine feste Summe für Deinen Lebensunterhalt, welchen Du nach Auflistung deiner notwendigen privat Ausgaben kalkuliert hast. Alle privat Ausgaben tätigst du über dieses Konto. Das Praxiskonto ist tabu.
  3. Steuerkonto – Von diesem Konto kann das Finanzamt abbuchen und Du ersparst dir einiges an Stress. Jeden Monat überweist Du 15 % der Einnahmen als Steuerreserve. Das ist zu Anfang wahrscheinlich sogar deutlich zu viel, später freust Du dich aber sicher über die Reserven.
  4. Darlehenskonto – Hier sammelst Du monatlich 1/3 der quartalsweisen Tilgungsrate, womit Du Deine finanzierende Bank bezahlst.
  5. Rücklagenkonto – Ab dem 5. Jahr 3–5 % des Umsatzes als Sicherheitspolster zurücklegen.

Diese Struktur schützt Dich vor bösen Überraschungen und sorgt für planbare Liquidität.

Was Du vermeiden solltest

Wenn’s eng wird, lauern sogenannte „Steuerspar“-Angebote an jeder Ecke – von überteuerten Schrottimmobilien bis zu kreativen Seminaren à la „Wie setze ich meine Rolex ab“. Die Wahrheit: Diese Konzepte funktionieren nur für die Verkäufer. Als Praxisinhaber zahlst Du drauf.

Ich halte ich es außerdem für sinnvoll in den Anfangsjahren darauf zu verzichten, tolle Häuser oder Wohnungen sowie schicke neue Autos zu kaufen oder zu leasen: Jede zusätzliche finanzielle private Verpflichtung macht Dich unfrei und gefährdet Deine wirtschaftliche Sicherheit.

Vertraue stattdessen auf bewährte Konzepte, wie die 5 Konten, und eine vorausschauende Planung.

Fazit: Du brauchst kein Steuertrickser – Du brauchst ein solides Konzept

Wenn Du das Gefühl hast, für das Finanzamt zu arbeiten, liegt das in der Regel nicht an der Steuer, sondern an fehlender Struktur. Die gute Nachricht: Das ist lösbar. Mit einem klaren Konzept zur Trennung von betrieblichen und privaten Finanzen, einer systematischen Rücklagenbildung und realistischen Entnahmeplanungen bist Du auf der sicheren Seite.

Und wenn Du dieses Konzept lieber mit jemandem gemeinsam erarbeiten möchtest: Melde Dich gern bei mir unter w.apel@medikom.org. In einem kostenlosen Erstgespräch klären wir gemeinsam, wie Du Deine Praxis wirtschaftlich besser aufstellen kannst, und zwar ganz ohne Steuertricks und Stress.

Dein Wolfgang Apel 

Noch ein Tipp: In unserem Online-Workshop zum Kennzahlenmanagement lernst Du innerhalb von drei Stunden, wie Du die wichtigsten Praxiszahlen nicht nur erfasst, sondern auch systematisch auswertest und steuerst. Ideal für alle, die ihre Praxis von der Durchschnitts- zur Effizienzpraxis weiterentwickeln wollen.

Interesse? Schreib mir einfach mit dem Betreff „Kennzahlen Workshop“ eine E-Mail an info@medikom.org